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Miriam von Jankó-Bohn, Tiermalerei

„Bevor ich überhaupt beginne ein Tier zu malen, suche ich seine Seele. Sonst macht es keinen Sinn“.

Die Tiermalerei ist so alt wie die Menschheit selbst. In dem Moment, da der Mensch Herrscher über die Tierwelt wurde, begann er sie darzustellen. Von Anfang an nimmt in dieser neuen Beziehung zwischen Mensch und Tier kein Wesen eine größere Bedeutung ein, als das Pferd. Seine Kraft, seine Anmut und nicht zuletzt seine vielfältige Einsatzfähigkeit machen es neben dem Hund, zum ständigen Begleiter des Menschen durch alle Zeiten und Regionen und damit auch zu einem der bedeutendsten Motive der Kunstgeschichte. Die Vorgeschichte stellt das Pferd noch als Gottheit dar. Die Kelten verehrten in Gestalt eines Pferdes, die Fruchtbarkeitsgöttin und Gottmutter Epona zu Pferde. Der Hinduismus wie der Buddhismus kannte Hayagriva, die pferdeköpfige Gottheit, die Wissen und Weisheit schenkt. Schon in der Antike verliert die Darstellung des Pferdes seinen mystischen Charakter und wird zur reinen Dekoration. Eine Darstellung von Reichtum und Macht.

Im 14. und 15. Jahrhundert führen Antonio Pisanello (1395-1455) und Albrecht Dürer (1471-1528) die realistische Darstellung von Tieren in die Kunst ein und ebnen damit den Weg zum sogenannten Tierstück, einem eigenen Genre, das der deutsche Maler Johann Heinrich Roos (1631- 1685) und der Franzose Jean-Baptiste Oudry (1686 – 1755) im 17.Jahrhundert perfektionieren. Beide üben großen Einfluss auf George Stubbs (1724 – 1806) aus, dessen Zeichnungen zur „Anatomie des Pferdes“ 1766 veröffentlicht wird. Bis heute gilt Stubbs’ Portrait des Fuchshengstes „Whistlejacket“ als eine der paradigmatischen Darstellungen von der fehlerlosen Schönheit des arabischen Vollbluts. Stubbs’ Aufmerksamkeit für jedes Detail in der Bewegung des Pferdes und sein Ehrgeiz, die Persönlichkeit des Tieres auf der Leinwand festzuhalten, machen „Whistlejacket“ zu mehr als einem Tierstück. Es ist ein Portrait.

Mehr noch als für Stubbs, wird die Malerei von Tierportraits für seinen Landsmann Sir Edwin Henry Landseer (1802-1873) zu einem außerordentlich lukrativen Genre. Der Mode von Queen Victoria folgend, gehörte es unter der britischen Aristokratie bald zum guten Ton, die wertvollsten und liebsten Hunde von dem Society-Maler Landseer portraitieren zu lassen.

Die Arbeiten der Hamburgerin Miriam von Jankó-Bohn stehen direkt in der Tradition von Stubbs und Landseer. Schon während ihrer Kindheit, in der künstlerischen Umgebung einer Familie, die zahlreiche Maler, Zeichner und Kunsthistoriker hervorbrachte, wurde von Jankó-Bohns außergewöhnliches Talent gefördert und an der Kunstakademie geschult. Aus ihrer ebenso früh entdeckten Leidenschaft zu Tieren und insbesondere ihrer Liebe zu Pferden und Hunden, ergab sich das Genre für die junge Künstlerin von selbst.
Als ausgezeichnete Dressurreiterin versteht von Jankó-Bohn wie kaum ein anderer zeitgenössischer Tiermaler den Bewegungsablauf und den Muskelaufbau eines Pferdes. So entstehen technisch perfekte Portraits von Pferden und Hunden, die gleichzeitig die Individualität und Persönlichkeit des Tieres in allen seinen Facetten zum Ausdruck bringen. Ihre Portraits von Derbysiegern und Zuchthengsten hängen in Privatsammlungen auf der ganzen Welt.

Dr. John F. Jungclaussen